Märkte: Marktmeinung Notenbankpolitik

9. März 2021

Die Aktienmärkte werden weltweit weiter klettern

Im Interview mit der Börsen-Zeitung macht sich Dr. Jens Ehrhardt, Vorstandsvorsitzender von Nordinvest-Partner DJE, Gedanken über das Inflationsgeschehen, die Notenbankpolitik, Übertreibungen und Korrekturen und die Hausse der Technologieaktien.

Herr Dr. Ehrhardt, US-Wahlen und Impfstoff haben zuletzt für einen starken Impuls an den Aktienmärkten gesorgt. Vor allem seit Anfang November klettern die Kurse weltweit kräftig. Dürfte der Anstieg weitergehen oder droht eine deutliche Korrektur?

Die Aktienmärkte werden weltweit weiter klettern, auch wenn es nach dem deutlichen Anstieg natürlich zwischenzeitlich einmal eine Pause geben mag. Gerade findet nämlich die extremste monetäre und fiskalische Stimulierung statt, die wir in der Wirtschaftsgeschichte jemals gesehen haben. In den USA ist die Geldmenge M1 binnen Jahresfrist um 71% gestiegen. Auch die Geldmengen im Euroraum und in China expandieren weiter. In den USA und im Euroraum sind die Zinsen unten, was in Japan übrigens bereits seit Jahren der Fall ist. Und die Zinsen werden extrem niedrig oder negativ bleiben, die massive Stimulierung geht also weiter. Vor diesem Hintergrund sind Aktien weiterhin erste Wahl.

Aber kommt es aktuell nicht zu Übertreibungen? Tesla haussiert wie verrückt, Bitcoin ist nicht zu bremsen, und immer mehr Unternehmen, die nicht profitabel sind, gehen in den USA an die Börse.

In der Tat gefällt mir die Markttechnik derzeit nicht so gut. Bitcoin werden hochgejagt, der Umsatzanteil von Kleinanlegern steigt, bei Penny-Stocks sind national wie auch grenzüberschreitend einige Spekulationen im Gange, bei Gamestop haben Investoren weltweit gekauft, bis hin zu koreanischen Anlegern, und es gibt in der Tat auch Exzesse bei manchen IPOs. Die Markttechnik kann zwar kurzfristig zu einer gewissen Korrektur führen. In einem Abwärtstrend oder wenn die Geldpolitik eine andere wäre, und die Notenbanken straffen würden, dann würde ich jetzt zum Verkauf raten. Doch ist derzeit vor allem die monetäre Stimulierung viel zu stark, um ein generelles Verkaufssignal zu liefern. Die Aktienhausse sollte sich angesichts dieser Stimulierung fortsetzen.

Werden nicht Erinnerungen an frühere Marktexzesse wie der Dot.com-Blase wach?

Damals waren viele Tech-Werte extrem hoch bewertet, etliche waren nicht einmal profitabel, weshalb ich zum Ausstieg geraten hatte. Heute sind zwar einzelne Titel hoch bewertet. In der Breite sind die großen Technologie-Werte, die ja alle auch profitabel sind, zwar durchaus hoch bewertet, aber nicht durch die Bank extrem teuer wie 2000. Damals waren auch die Zinsen mit 6% noch höher als jetzt. Heute gibt es kaum mehr Zinsen, das muss man auch berücksichtigen. Nein, wir haben keine Situation wie im Jahr 2000.

Doch werden die Notenbanken weltweit ihren sehr expansiven Kurs beibehalten? Schließlich sind die Inflationsraten wieder geklettert, das könnte die Notenbanken in ihrem Expansionskurs doch bremsen?

Wenn die Notenbanken in die Blase, die wir in Teilbereichen durchaus haben, stechen, so sie denn überhaupt eine ist, würde das die Bewertungen von Aktien und Immobilien natürlich treffen. Auch 1928/1929 hat die Fed übrigens die kurzfristigen Zinsen von 3 auf 6% erhöht. Aus diesen falschen Verhalten der Zentralbank damals haben alle Notenbanken gelernt. Heute bleibt die Fed expansiv und wird einen auch deutlichen Anstieg der Inflationsrate tolerieren, solange der US-Arbeitsmarkt nicht massiv anzieht und sehr angespannt ist – wovon wir im Augenblick sehr weit entfernt sind. Hinzu kommt: Der jüngste Anstieg der Inflationsrate in den USA und besonders in Europa ist sehr stark auf Basiseffekte zurückzuführen. Dies wird auch im Verlauf dieses Jahres deutlich werden. Wir leben aber nicht in Zeiten einer galoppierenden Inflation.

Wann dürften die Notenbanken die Zügel wieder anziehen?

Auf absehbare Zeit werden sie das nicht tun, das unterstreichen auch die jüngsten Äußerungen von Fed-Präsident Jerome Powell. Auch die EZB unter Christine Lagarde hat keinerlei Interesse an einer geldpolitischen Straffung. Im Gegenteil: Auch in Euroland soll durch die Geldpolitik die Wirtschaft gestärkt, die Krise überwunden und die Arbeitslosigkeit abgebaut werden.

Bleibt die Fiskalpolitik expansiv?

In Amerika hatte Trump bereits stimuliert, und unter Biden ist die Fiskalpolitik noch deutlich expansiver. US-Finanzministerin Yellen hat sogar Christine Lagarde angerufen um die Stimulierung voranzutreiben. Auch in Europa ist jetzt eine expansive Fiskalpolitik angesagt, nachdem Deutschland über viele Jahre hier gebremst hatte. Im Grunde ist die Fiskalpolitik international sehr expansiv ausgerichtet und wird es in den kommenden Monaten bleiben.

Wie entwickeln sich Konjunktur und Unternehmensgewinne?

In China zieht die Konjunktur ja bereits wieder deutlich an. Der Impfstoff ist da und wird weltweit eingesetzt. Auch wenn es vielleicht länger als von manch einem erwartet dauern mag, zieht die Weltkonjunktur dann doch deutlich an. Die Unternehmensgewinne werden 2021 und in den kommenden Jahren kräftig klettern. In den USA schätzt man z.B. 25%-30%

Der Impfstoff ist zwar da, aber Corona ist noch lange nicht besiegt. Drohen durch Lockdowns nicht Rückschläge am Aktienmarkt?

Natürlich gibt es Unternehmen die besonders unter den Lockdowns leiden, zum Beispiel in der Reise- und Tourismusbranche. Hingegen entwickeln sich Industrieunternehmen trotz Lockdown fast alle weiterhin gut, auch hierzulande. Und Tech-Werte profitieren weltweit von einer zunehmenden Digitalisierung. Die Entwicklung ist also höchst unterschiedlich.

Hält die Hausse der Technologieaktien an oder kommen Zykliker verstärkt zurück?

Mit der Erholung von Konjunktur und Unternehmensgewinnen werden zyklische Titel und Value-Werte wieder interessanter. Ich würde aber Tech-Werte nur bei Überbewertung verkaufen: Sie wachsen sehr viel schneller als andere Unternehmen und sind langfristige Gewinner. Allerdings dürfte es in diesem Jahr zu keiner so ausgeprägten Outperformance der Tech-Titel kommen wie 2020.

Welche Regionen bevorzugen Sie? Ist China und Asien attraktiv, kommt Europa zurück?

Langfristig sind Aktieninvestments in Asien und China attraktiver als Europa. Asien hat eine jüngere Bevölkerung, ein größeres Wachstum und ist auch stärker kapitalmarktaffin. Insofern sollten Aktienanleger möglichst auch in Asien investiert sein.

Wie beurteilen Sie die Perspektiven für den deutschen Aktienmarkt?

Als Performanceindex ist der Dax ja im internationalen Vergleich ein Unikum. Wenn Sie auf den Kurs-Dax schauen, so hat notiert der Dax heute ungefähr auf dem Stand von 2000 und hat sich praktisch nicht bewegt. Im internationalen Vergleich ist der Dax auch keineswegs teuer und ein Ausbruch nach oben ist durchaus wahrscheinlich. Ein Anstieg bis auf 16.000 Punkte in diesem Jahr ist gut möglich.

Wie sollten Investoren jetzt ihr Portfolio strukturieren?

Vor allem große Investoren, die Anlagedruck haben, und die noch vor allem in Zinsprodukten engagiert sind, werden verstärkt in Aktien gehen. Auf der Anleihenseite gibt es keine nennenswerten Renditen mehr – das wird auch für einige Jahre so bleiben. Und Liquidität zu halten, kostet im Euroraum sogar Geld. Vor diesem Hintergrund ist auch für Privatanleger eine hohe Aktienquote sinnvoll. Sie sollten dabei aber möglichst international und breit gestreut investieren mit Hauptaugenmerk auf zyklische Value-Aktien.

Wie beurteilen Sie Gold?

Nachdem der Goldpreis in den vergangenen Monaten zurückgefallen ist, die Inflationsrate aber derzeit ansteigt, könnte Gold jetzt langsam wieder etwas mehr gefragt sein. Hauptsächlich Platin könnte wegen industrieller Nachfrage unter den Edelmetallen interessant sein. Um ein Portfolio zu diversifizieren und zu stabilisieren, ist zusätzlich zu Aktien ein kleinerer Anteil Edelmetalle auf jeden Fall sinnvoll. Da es so gut wie keinen Zins mehr gibt, sind Anleihen als Beimischung ja inzwischen ja nicht mehr attraktiv.

Was gibt es noch zu sagen?

Sowohl bei institutionellen als auch bei privaten Investoren ist aktuell viel Geld vorhanden, das nach einer sinnvollen Anlage drängt. Zum Beispiel sind institutionelle US-Investoren derzeit weniger in Aktien investiert als vor Jahresfrist. Und hierzulande (und international) ist die Sparquote der Privaten pandemiebedingt massiv angestiegen. Nur wohin wird die reichlich vorhandene Liquidität fließen, in einem Umfeld, in dem es auf Dauer keine Zinsen mehr gibt, in dem die Wirtschaft aber wächst und die Unternehmensgewinne steigen? Die Antwort liegt auf der Hand: Zu einem großen Teil in Aktien.

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Risikohinweis

Selbst langjährige Erfahrung und eine individuelle Anlagestrategie garantieren keinen Anlageerfolg. Marktbedingte Kursschwankungen gehören zum Wesen einer Vermögensverwaltung und können nicht immer durch aktives Asset Management ausgeglichen werden.

Dr. Jens Ehrhardt

Dr. Jens Ehrhardt ist Gründer und Vorstandsvorsitzender der DJE Kapital AG. Mit herausragender Expertise und disziplinierter Vorgehensweise zählt seine Vermögensverwaltung nach über 40 Jahren zu den ältesten und größten bankenunabhängigen Vermögensverwaltungs-Gesellschaften in Europa.

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